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Was für ein Tag…

Es gibt Dinge im Leben, auf die kann ich verzichten.

Besonders Montags.

Noch besonderer Montags frühmorgens.

Ich wache nach einem äußerst unschönen Traum total fertig und panisch auf. Ich hasse Träume, in denen ich nicht unterscheiden kann, ob diese Situation real war oder einfach etwas ist, das sich mein Gehirn nachts zusammenphantasiert hat.  Ein Blick auf die Uhr ergibt: 3:30. Volltreffer. Stehe auf, mache Licht an, versuche runterzukommen. “Es war nur ein Traum, es war nur ein Traum…”. Die restlichen frühen Morgenstunden wälze ich mich von einer Seite auf die andere, aber schlafen geht nicht mehr. Um 6 stehe ich entnervt auf, frühstücke, und mache mich auf den Weg zur Arbeit.

Der Vormittag verläuft eher ruhig, Mittags räume ich Teile in mein Auto, um diese von der Firmenzentrale zum Arbeitsflugplatz zu bringen. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne heizt für die Jahreszeit ganz schön, und ich laufe die berühmt-berüchtigte Todestreppe mehrmals rauf und runter ( diesmal allerdings ohne filmreif runterzufallen. Wäre ja langweilig gewesen, war ja keiner da, der es sehen hätte können).  Dementsprechend wird es sehr warm unter drei Schichten Klamotten am Oberkörper. Was solls, Ärmel hochgekrämpelt und weiter gehts. Daran denke ich nicht mehr, als die Chefin wieder aus der Mittagspause zurückkommt. Irgendwann steht sie dann vor mir, setzt sich schnell ihre Brille auf und geht vor mir in die Hocke. “Jetzt seh ich das auch endlich mal!” meint sie und begutachtet ganz interessiert meinen linken Unterarm. “Aber das ist ja eh nicht so schlimm, ich hätte mir das schlimmer vorgestellt!” Das ist genau das, was ich an so einem Tag nicht hören will. Solche Dinge stacheln mich an, mich schlimmer zu verletzen. Damit ich wenigstens irgendetwas “richtig” mache.  Aber es geht noch weiter. Die Chefin erzählt mir von den schlimmen Narben ihrer Fußpflegerin. “Bei dir schaut das ja irgendwie so aus, als hätte dich da eine Katze gekratzt”. Jawohl, noch eins obendrauf, ist ja auch schon egal heute. Ich kenn zwar keine Katzenbesitzerin, die von ihren Katzen so zerkratzt wurde, aber ok, man lernt ja nie aus.

Glücklicherweise steigt die Stimmung am Weg zum Arbeitsflugplatz ein wenig. Wunderbares Wetter, gute Musik… aber dort angekommen wartete schon der nächste Stimmungseinbruch. Ich war seit Tagen nicht mehr richtig am Arbeitsflugplatz, höchstens mal kurz zum Teile holen- darf mir dann aber heute dennoch anhören, warum es denn an meinem (zukünftigen) Arbeitsplatz so chaotisch ist, warum da noch nicht mehr weitergegangen ist.

Ich habe in den letzten Wochen pro Woche 3-4 Überstunden gemacht. Ich bemühe mich ja, etwas weiterzubringen. Aber wenn es dann dauernd so Aktionen gibt, wo ich etwas genauso mache wie es mir aufgetragen wurde, aber hinterher ist es trotzdem falsch, oder es heißt dann, es soll doch lieber anders gemacht werden, kann das nichts werden. Es ist einfach unglaublich zeitraubend, wenn man viele Dinge doppelt machen muss.

Zum Glück kommt kurze Zeit später Fabian, der Fluglehrer, mit dem ich mich zum Fliegen verabredet habe zwecks Umschulung. Er eröffnet mir gleich mal, dass er nur eine Stunde Zeit hätte. Ok, zwar nicht optimal, aber in einer Stunde kann man auch Einiges machen.

Nach einem gründlichen Check des Fliegers geht´s ans Eingemachte. Reinsetzen, anschnallen, Motor  starten. Roll- und Abfluginformationen einholen. Verblüfft sein von der Wendigkeit des Flugzeuges am Boden. Kein Wunder: Es hat ein lenkbares Bugrad. Der Flugzeugtyp, den ich bisher geflogen bin, hat das nicht. Ein weiterer gravierender Unterschied ist die Anordnung des Fahrwerks. Besonders ältere Flugzeuge haben ein sogenanntes Spornrad- ein Rad am Heck des Flugzeuges. Beim “koventionellen” Fahrwerk befindet sich das Rad vor dem Hauptfahrwerk am Bug des Flugzeuges. Das beeinflusst in vielerlei Hinsichten das Fliegen- das fängt bei einfachen Dingen wie der Sicht nach vorne an, die bei Spornradflugzeugen am Boden quasi nicht vorhanden ist. In Pilotenkreisen hält sich die Meinung, das Spornradflugzeuge schwerer zu fliegen – besonders zu landen- sind, als Flugzeuge mit konventionellem Fahrwerk. Mit mehr als 40 Stunden Erfahrung auf einem Spornradflugzeug mache ich mich daran, diese These zu überprüfen.

Fabian ist ein angenehmer Fluglehrer. Wir checken die Systeme, rollen auf die Startbahn. Am Boden habe ich den Flieger noch nicht wirklich im Griff. Ob es in der Luft besser ist? Vollgas, bei 80km/h Bugrad entlasten, Fahrt aufholen, steigen mit 110km/h. Reduzieren der Leistung auf 3200U/min zwecks Lärmvermeidung, Zusatzpumpe aus, Landescheinwerfer aus.  Wir steigen auf die vorgegebene Platzrundenhöhe. Fabian sagt mir, wohin ich fliegen muss- ich kenne die Gegend ja noch nicht wirklich. Dann kommt der Augenblick der Wahrheit. Ich melde den Queranflug, Zusatzpumpe ein, Landescheinwerfer ein. Handgriffe, die ich beim “alten” Flieger nie machen musste, die jetzt aber dazugehören.Ich richte den Flieger auf die Piste aus und stelle nach Fabians Anweisung den Gashebel auf Leerlauf. Vorsichtig taste ich mich  in Richtung Piste. Der Anflugwinkel sieht ungewöhnlich steil aus und die Piste erschreckend kurz. Endanflug mit 120km/h wegen dem starken Gegenwind und voll gezogenen Bremsklappen.  Vorsichtig fange ich in Bodennähe ab- und schon spüre ich das Rumpeln. Vor lauter Schreck fahre ich die Bremsklappen wieder ein- zu früh. Durch die schlagartige Widerstandsverminderung heben wir sofort wieder ab. Ich versuche es nochmal- diesmal klappt es, wir starten durch. Die Landung hat sich irgendwie anders angefühlt als sonst. Erst beim nächsten Anflug erkenne ich, was anders ist: Der “alte” Flieger hat den Bremsklappenhebel links. Das heißt beim Landen habe ich die linke Hand auf den Bremsklappen und die rechte am Knüppel. Der “neue” Flieger hat den Bremsklappenhebel rechts- das heißt ich muss mit links fliegen. Was nicht weiter schlimm ist, da der “alte” Flieger den Gashebel in der Mitte hatte- somit war ich auch gewohnt, mit links zu fliegen. Aber diese Feinheiten beim Landen mach ich dann eigentlich doch lieber mit rechts- was im neuen Flieger nicht möglich ist. Nach ein paar weiteren Touch & Go´s , die wesentlich besser sind als der Erstversuch, machen wir eine Abschlusslandung.

Ein paar Landungen unter Aufsicht werden noch notwendig sein, aber dann sollte alles klappen. Für die doch recht ungünstigen Windverhältnisse bin ich ganz zufrieden mit meiner Leistung. Und ich kann bestätigen: Spornradflugzeuge sind deutlich schwieriger zu landen. Ich war fasziniert davon, wie wenig man bei Fliegern mit Bugrad tun muss. Die landen quasi von alleine.

Nebenbei erzählt mir die Betriebsleiterin noch, dass der für nächstes Wochenende geplante Skitag vermutlich abgesagt wird. Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt- die Saison ist so gut wie zu Ende und ich war bisher kein einziges Mal Snowboarden.

Ich hoffe einfach, dass die nächsten Tage weniger ereignisreich werden und ich ein bisschen zur Ruhe komme. Den heutigen Tag – und besonders den Traum von heute Nacht – muss ich erst mal verdauen.

 

 

 

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