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Winterliche Fahrverhältnisse & ein Geständnis

Geschlafen habe ich…man wills gar nicht wissen. Ich war gestern Abend einfach zu gut drauf und konnte mich nicht richtig runterfahren. Außerdem hatte ich wahrscheinlich Hunger. Mein Essverhalten derzeit ist… naja, Themenwechsel.

Jedenfalls durfte ich dann gleich mal in aller Früh Auto abkehren. Zum Glück war seit gestern Abend nicht mehr viel Schnee dazugekommen, weshalb es relativ schnell ging. Den Güterweg ließ ich aus, weil ich mir nicht sicher war ob dort geräumt war. Da dachte ich, es könne eigentlich nichts mehr schief gehen.

Kurz nach der einen Ortsausfahrt gibt es eine 90°-Kurve. Schneller als mit 50km/h kann man da eigentlich nicht durchfahren. Beim Hinfahren sah ich schon, dass im Straßengraben ein Auto stand. “Ah, da ist wohl einer etwas zu schnell unterwegs gewesen bei den winterlichen Fahrverhältnissen” dachte ich und fuhr mit 40km/h in die Kurve.

Sagen wir mal so: Es waren mindestens 15 zu viel. Ich merkte einfach nur mehr wie das Heck meines Autos plötzlich ein gewisses Eigenleben entwickelte und uuuunbedingt einfach gradeaus weiterfahren wollte.
Ich verspreche, ich suder niiiiie wieder über das vorgeschriebene Fahrsicherheitstraining im Mehrphasenführerschein. Ich glaube, ich wäre sonst vor Angst einfach starr sitzen geblieben und hätte gewartet bis ich im Graben liege. So hab ich brav das gemacht was wir beim Fahrsicherheitstraining gelernt haben und es ist nochmal gut gegangen :) . Wenn mir jemand entgegengekommen wäre, hätte es zwar ein Problem gegeben, weil ich kurzfristig beide Spuren für mich beanspruchen musste, aber naja. Der hinter mir war jedenfalls gleich gewarnt und hat sein Auto förmlich um die Kurve getragen.

Arbeit war entspannt und weniger aufregend und ich setzte mein Vorhaben in die Tat um. Gegen 14:00 ging ich zu meiner Chefin ins Büro. “Irgendwann in einer ruhigen Minute muss ich mal mit Ihnen reden…wann ist mir egal, muss nicht unbedingt heute sein” Weil wenn sie grade Stress hat oder so ists ja auch blöd. Aber sie meinte ich solle sagen was los ist. Ich kam mit meinem zurechtgelegten Satz nur bis “…ich habe mich mal selbstverletzt” als sie gleich meinte: “Waaas? Du hast dieses Borderline?” (Nein, nicht dieses Borderline. Ein anderes. Das eine Borderline war schon aus, da musste ich das andere nehmen.) Ich versuchte sie dann mal ganz vorsichtig mit der Tatsache zu konfrontieren, dass nicht jeder der sich selbstverletzt Borderline hat. “Naja, nicht jeder der sich selbst verletzt, hat zwangsläufig Borderline. Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, Selbstverletzung kann ein Symptom davon sein.” Oh Gott, ich kam mir so dämlich vor. Dann wollte sie noch wissen, ob ich das noch immer mache, was ich verneint habe. Entspricht zwar nicht ganz der Wahrheit, aber naja. Dann gings los mit dem, wer das nicht alles auch macht. Das ist glaube ich irgendein psychologisches Phänomen, wenn man erzählt, dass man irgendeine “Krankheit” hat (jetzt egal ob körperlich oder psychisch). Dann versuchen immer alle anderen zu erzählen, wen sie nicht kennen der das auch hat.

Jedenfalls sind das bei meiner Chefin:
-Die Ex-Frau von meinem Arbeitskollegen (aber das wusste ich ja bereits) (“…und das hab ich dir ja eh schon erzählt dass die das auch gemacht hat. Aber er. hat da ja nie viel drüber geredet”)
-Die Tochter einer Freundin von ihr (“…die hat das mit dem Zirkel gemacht. Hast du das mit dem Zirkel gemacht oder mit der Rasierklinge? Weil meine Fußpflegerin hat das mit der Rasierklinge gemacht und da schauen die Narben viiiiel schlimmer aus, bei der Tochter von meiner Freundin sieht man das fast gar nicht mehr!”)
-Die Fußpflegerin die einmal im Monat zu ihr kommt (“…und ich hab das ja gar nicht kapiert! Ich hab die da sogar noch darauf angesprochen und gesagt: “Na Sie haben da aber wilde Narben am Arm!” und im selben Moment ist mir erst klar geworden, dass sie das selbst war! Wenn ich das gleich überrissen hätte, hätte ich sie da gar nicht drauf angesprochen, das war mir so peinlich hinterher!”)
– sowie die Schwester von einer Mitarbeiterin, die jetzt in Karenz ist und deren Job ich jetzt eigentlich habe und mit der ich mich  gut verstehe (“…und das ist ja die, die auch zwei Kinder hat! Und die hat das trotzdem noch gemacht, obwohl sie da schon die Kinder hatte! Aber die hat auch mal ganz stark abgenommen, die war magersüchtig oder so!”)

Dann wollte sie sonst noch paar Dinge wissen, ob ich ne Therapie gemacht habe, ob ich noch immer dran denke das zu tun, etc. und dann meinte sie: “Jetzt hab ich so ein schlechtes Gewissen, wegen letzter Woche, als ich dir gesagt habe dass du dir überhaupt nichts aus dir machst und so! Das hat dich dann ja bestimmt voll runtergezogen!” Hab dann versucht, ihr das schlechte Gewissen wieder auszureden. Irgendwie ist sie ja süß.

Später kam dann noch: “Du tust mir irgendwie leid!” Grml. Ja, hin und wieder versinke ich in Selbstmitleid, und denke mir dass ein bisschen Mitleid von außen auch ganz nett wäre, aber grundsätzlich ich will niemandem leid tun. Immerhin könnte ich mich ja auch einfach nicht schneiden, es zwingt mich ja keiner. Ich mag mein Leben so wie es ist mit allen Höhen und Tiefen und ich würde nicht wollen dass es anders ist. Ich weiß, hin und wieder kommt das nicht so rüber, aber dann gibts so einmal im Monat diese wunderbaren Zaubermomente wo ich einfach nur glücklich und grenzenlos gut drauf bin, wo einfach alles bunt ist und voller Leben. Wenn ich die nicht hätte… es würde etwas fehlen.
Und die vielen lieben Menschen die ich dadurch kennengelernt habe, weil ich halt so bin wie ich bin. Es gibt da so einen ganz bestimmten zauberhaften Menschen in meinem Leben, dem ich erst vor ein paar Tagen mal wieder gesagt habe: “Wenn ich die ganze Scheiße nur erlebt habe um dich kennenlernen zu dürfen, hat sich das gelohnt”

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